Im Garten ist Winterruhe.
Was nicht bedeutet, dass nichts los ist. Als einige Tage lang Schnee lag – in Köln eine Sensation -, ließen sich viele Tierspuren erkennen: Fuchs und Katz sind unterwegs, die Mäuse und natürlich die Vögel. Samenstände, Hagebutten und Beeren werden nach und nach weggefuttert. Das Fallobst ist längst verschwunden. Ich hoffe immer noch darauf, dass ein Mauswiesel bei uns einzieht. Nachdenklich blicke ich auf die frischen Mäuselöcher. Hungrig sollte es nicht bleiben. In diesem Jahr werden wir wohl eine Mauswieselburg aufstellen. Und eine Jule als Ansitz für die Greifvögel, die im Park leben und oft über den Kleingärten kreisen.
Momentan sind wir in einer Zeit, die mit dem legendären Zwischen den Jahren verwandt ist. Zwischen den Gartenjahren ist eine Phase des Innehaltens und Nachdenkens möglich. In den letzten Jahren hatten wir immer noch etwas Grundlegendes zu tun. Aber die Zeit des großen Aus- und Umräumens ist vorbei. Stand das Jahr der Übernahme, 2023, aber auch noch das Folgejahr ganz im Zeichen des Abarbeitens der Auflagen durch unseren Verpächter, den Kreisverband, und dem Beseitigen von alten und Gestalten neuer Strukturen, war 2025 ein Jahr des Wachsens und Werdens. Fast alles, was wir angepflanzt und gesät hatten, entwickelt sich prächtig.
Aus Kindern werden allmählich Leute: das Pfaffenhütchen, die Sal-Weide, der Faulbaum, der Wildapfel, die Schlehe (eine kleingartenkompatible, auf eine Pflaumen-Unterlage veredelte Sorte), die Hauszwetsche und die beiden Apfelbäume. Die Kornelkirsche wächst langsam, hat aber nun erste Knopsen. Die Wildrosen machen sich und haben 2025 erstmals geblüht – jede einzelne eine Wucht! Die Brennnesseln sind sehr willkommen, müssen inzwischen aber gut eingehegt werden. Sie werden regelmäßig verjaucht und sorgen u.a. mit Beinwell für guten Dünger.
Etwas nachdenklich werde ich zuweilen, wenn ich mir ansehe, wie gut die Stauden wachsen. Ich ahne, dass auf das Jahr, in dem alles so schön wuchs, eins des ersten Reduzierens und Ordnens wird.
Oha, das wird lang. Aber im Internet ist noch Platz, habe ich mir sagen lassen.
Zwei Menschen, viele Tiere, noch mehr Sensationen
Manches geht blitzschnell, anderes braucht seine Zeit. Dass sich innerhalb so kurzer Zeit so viele Insekten bei uns einfinden, hätten wir wohl niemals erwartet. Durch ein günstig erstandenes Staudenpaket hatte ich ein neu angelegtes Sonnenbeet u.a. mit mehreren Exemplaren des Natternkopfes bepflanzt. Prompt stellte sich die spezialisierte Natternkopf-Mauerbiene ein. Das waren eher zufällig Beobachtungen. Auffällig waren neben den ganz verschiedenen Wildbienen die vielen unterschiedlichen Schwebfliegen, Wespen, Spinnen, Käfer und Wanzen. Natürlich schärft sich auch der Blick. Man sieht nur, was man weiß, das wusste schon Goethe.
Allerdings kann ich auch anhand der Fotos insbesondere von 2023 erkennen, dass damals vor allem Honigbienen und Hummeln unterwegs waren. Das sind Generalisten, die an jeder Blüte Nahrung finden. Und da die an Menschen gewöhnten Honigbienen und die selbstsicheren Hummeln nicht gleich flüchten, wenn Menschen in der Nähe sind, fallen sie viel öfter ins Auge und man glaubt, „es summt und brummt“. (Die nicht gefährdeten Honigbienen haben wir in diesem Jahr übrigens sehr viel seltener in unserem Garten bemerkt.)
Eins der auffälligsten Insekten ist sicher die Blauschwarze Holzbiene, ebenso wie der imposante Stahlblaue Grillenjäger (Link zu einem fein beobachteten Beitrag bei Wilder Meter, ein nettes und informatives Online-Magazin fürs Balkongärtnern) von den aktuellen Klimaveränderungen profiziert. Und während wir die Holzbiene auch schon 2024 gesichtet hatten, war sie 2025 regelmäßig und mit mehreren Exemplaren zu sehen. Was sicher auch an unserem reich blühenden Muskateller-Salbei lag, den sie besonders schätzt.
Schon im zweiten Jahr hatten wir die Wespenspinne im Garten, die ebenfalls durch die immer wärmeren Temperaturen nun auch in unserer Region zu finden ist. Sie fängt sich gern mit ihrem schicken Netz Heuschrecken. Damit ist sie bei uns ganz richtig, denn was 2024 begann, setzte sich 2025 noch stärker fort: Grashüpfer, Heuschrecken, Grillen, allüberall. Ein fantastisches Hüpfen und Springen und Flügelreiben und Singen. Wenn im Juli die Mauersegler die Stadt gen Süden verlassen, wird ihr magisches Zirpen vom Gesang der schönen Hüpfer abgelöst. Die vielen Arten, die ich sah, kann ich noch gar nicht auseinanderhalten. Aber das Große Heupferd erkannte ich und auch die Sichelschrecke.
Ein aufregender Moment war es, als ich das erste Ei eines Zitronenfalters an unserem Faulbaum entdeckte. Die Fortpflanzung des Zitronenfalters hängt von genau zwei Pflanzen ab: Faulbaum und Kreuzdorn. Wo die nicht wenigstens in erreichbarer Nähe stehen, gibt’s keine Zitronenfalter. Die Raupe konnten wir dann noch öfter beim Abfuttern der Faulbaumblätter beobachten. Wir haben hier und da einen Zitronenfalter gesichtet. Ob es „unserer“ war? Wer weiß. So manche Raupe wird auch Futter für die Gartenvögel.
Es gab auch noch andere Prominenz: Herr Hoffmann hatte eine Schwalbenschwanzraupe im Gewürzfenchel entdeckt. Ich sah leider nur die Bilder, war aber vollkommen hingerissen. Ich habe erst einmal in meinem Leben eine Raupe des prächtigen Falters gesehen. Das war auf unserer Radreise durch Slowenien, als ich mich einen ziemlich giftigen Anstieg hochkämpfte. Als ich mal kurz stoppte, um Atem zu schöpfen, sah ich gleich vor meiner Nase am Straßenrand eine Schwalbenschwanzraupe.
Wanzen. Womöglich liegt es an den zu Recht unbeliebten Bettwanzen, dass Wanzen eine so schlechten Ruf haben. Und, ja, ich sehe die Chinesische Reiswanze nicht gern. Und auch die Brüder, die in den Himbeeren wohnen, mit Inbrunst an den Früchten saugen und diese ungenießbar zurücklassen (weil sie reinspucken, i-bäh!), sehe ich nicht gern. Andererseits hat sich der Befall 2025 in Grenzen gehalten. Ob es daran lag, dass das Wetter ihnen nicht genehm war. Oder ob die Schlupfwespen am Werk waren, die ich häufiger gesichtet habe. Andere Wanzen wiederum sehe ich sehr gern. Die schicken Feuerwanzen, die wärmeliebenden Streifenwanzen oder die ungewöhnliche Beerenwanze konnte ich teilweise mithilfe von ObsIdentify identifizieren.
Die Feuerwanzen, so lernte ich, sind richtig tolle Helferinnen im Garten. Sie haben ziemlich ulkige Verhaltensweisen und ich bilde mir ein, dass wir miteinander unbeholfen (ich) und nachsichtig (sie) kommunizieren. Ich gehe inzwischen möglichst langsam und vorsichtig durch den Garten, weil einfach überall jemand krabbelt, sitzt, hüpft, läuft oder schlicht arbeitet.
Etwas schade ist, dass wir im letzten Jahr nur wenige Vögel im Garten hatten. Es sieht ja insgesamt eher düster aus, was auch die jährliche Stunde der Gartenvögel ergibt. Die Zahlen der Vögel geht zurück. Kein Wunder angesichts des Insektensterbens. Die ökologischen Folgen von Monokulturen, Versiegelung, Ordnungswahn in den Gärten und Einbringung von Pestiziden in die Natur durch die Landwirtschaft sind drastisch. Den Mensch macht es krank, die Tiere sterben. Trotzdem hilft es nicht, zu verzagen. Wie die krasse Zunahme von Insekten in unserem Garten zeigt, bewirkt jeder zusätzliche Trittsteingarten etwas.
Durch die Umgestaltung unseres Gartens und die Entfernung der Neophyten (insbesondere Forsythie und Flieder) gibt es momentan deutlich weniger Unterschlupfe für Spatz & Co. Wenn Wildrosen und heimische Wildobstgehölze weiterhin so munter wachsen, sollte sich das bald wieder ändern. In den hohen Stauden sahen wir Vögel Samen und Insekten „ernten“. Die Distelfinkenbande ist immer wieder zu Gast und plündert Mohnkapseln, Kornblumensamen, Flockenblumensamen und Sonnenblumenkerne.
Ein Plan scheint aufzugehen. Wir haben im Garten nicht wenig der invasiven Jungfernrebe. Sie wächst als gewaltiger Puschel gleich am Eingang. Die Honigbienen werden komplett irre, wenn sie blüht. Die Beeren werden gern von den Vögel gefressen. Der Puschel scheint Unterschlupf und Nistplatz für manche Vögel, aber auch Käfer und Spinnen zu sein. Kein Raupenfutter, keine Nahrung für Wildbienen. Das größte Problem: seine Invasivität. Gärtnern im alten Bestand (den Garten gibt es seit den 1970ern) bringt mit sich, dass wir Entscheidungen treffen müssen. An dieser Stelle ist die Entscheidung: Der Puschel bleibt. Vorerst. Aber um ihn ökologisch aufzuwerten, stehen nun zwei Feldrosen daneben, die sich munter reinranken.
Eigentlich sollte es nur eine sein, aber plötzlich stand da eine zweite neben der gekauften. Manchmal glaube ich, der Garten hat seinen ganz eigenen Humor. Meine Hoffnung ist, dass die wuchsfreudigen Feldrosen die Jungfernrebe irgendwann erstickt. Meine Ahnung ist, dass das womöglich naiv ist. Wir werden sehen.
Die Ringeltäubchen indes haben teilweise aufgegeben. Sie haben kaum etwas weggefressen. Sie sitzen manchmal etwas ratlos wirkend in der Krone des alten Apfelbaums. Unser Garten ist ihnen vielleicht etwas zu mühsam, weil sie mit ihren kurzen Beinchen bei gleichzeitig großem Körper Probleme mit hoch- und wildwachsenden Pflanzen zu haben scheinen – und unsere Mischkultur für sie offenkundig verwirrend ist. Apropos Mischkultur.
Kommen wir zum Gemüsegarten.
Erstmals gab es eine Beetplanung. Im ersten Jahr säten und pflanzten wir überall dort Gemüse und Kräuter, wo Platz entstand. Es gab ein Hochbeet, das wir übernommen und ein Jahr später in drei Rahmenbeete zerlegt haben. Und es gab ein altes Plastiktomatenhaus, eine Art Bushaltestelle für Tomaten, für das uns im Juni der Übernahme eine nette Kollegin von Herrn Hoffmann selbstgezogene Pflänzchen schenkte. 2024 gab es eine eher vage Idee von Mischkultur und Fruchtfolge – am Ende pflanzte und säte ich recht wild durcheinander und nacheinander. Funktionierte auch, aber wenn für andere gar nicht mehr nachvollziehbar ist, was wo steht, ist das nicht hilfreich.
Im letzten Jahr also setzte ich mich mit Mischkultur, Fruchtfolge und Fruchtwechsel auseinander und konsultierte dafür unterschiedliche Bücher. Ich guckte auch in einige Videos von Influencer*innen und Produzent*innen rein. Ich bewundere regelmäßig das prachtvoll wachsende Gemüse von Regina – hätte ich einen Wunsch frei, wäre das eine ordentliche Ladung der Erden und des Mulchs von Sonnenerde. Ist finanziell aber derzeit nicht drin. Ansonsten schätze ich doch einfach sehr die Publikationen von Sr. Christa Weinrich der Abtei Fulda. Man merkt doch deutlich, dass sie weder etwas beweisen noch etwas verkaufen muss. Die Gelassenheit, Kompetenz und Erfahrung, die aus den Texten der Gartenbauingenieurin spricht, finde ich einzigartig – und außerordentlich beruhigend.
Der Mensch denkt, die Natur lenkt. Es kam natürlich vieles anders als geplant. Darauf macht auch Schwester Christa immer wieder aufmerksam, dass es Faktoren gibt, die man nicht beeinflussen kann, sondern mit denen man arbeiten muss. Das Frühjahr war außergewöhnlich trocken. Das Wasser in unserer Kleingartenanlage ist jedoch den Winter über abgestellt. Daher mussten wir sehr haushalten mit dem Inhalt unserer Wassertonnen und -container. (Diese haben wir auch aus diesem Grund nochmal aufgestockt.) Es war früh recht mild, weshalb vieles zeitig blühte. Doch zu früh für viele Insekten, die noch gar nicht geschlüpft oder aktiv waren. Im Mai folgten dann ungewöhnlich kalte Nächte.
Wenn der Frühling schon so trocken ist, wie wird dann erst der Sommer werden? Mit diesem Gedanken im Hinterkopf kamen dann einige Aussaaten und Jungpflanzen beim Wässern zu kurz. Der Spinat etwa wollte gar nicht gelingen. Da hatte ich zur falschen Zeit Wasser zu sparen versucht. Das zeigt auch unser kürzlich abgerechneter Wasserverbrauch, der niedriger liegt als unsere Vorauszahlung. Es ist ein Zwiespalt – eine direkte Folge der beunruhigenden Nachrichten über die Folgen der sich verschärfenden Klimakatastrophe. Aber die jungen Pflanzen und die Aussaaten benötigen nun mal Wasser, um überhaupt erst Wurzen ausbilden und dann gut gemulcht wachsen zu können. Gießen, das klingt so einfach. Aber auch das ist ein Kunsthandwerk, das Wissen und Erfahrung benötigt.
Die Beetplanung konnte ich über die erste Vorkultur hinaus zwar verwerfen, weil vieles viel länger im Beet stand als vorgesehen. Aber insgesamt machten sich die verbesserte Struktur, diszipliniertere Beschriftung, durchdachtere Nachbarschaft und klügere Anzuchtplanung bemerkbar. Auch das Säen und Vorziehen in Etappen etwa von Salaten, Bohnen und Kräutern sorgte für ein längeres Erntefenster und eine stetig gut zu bewältigende Ernte. Es sieht auf Fotos doch immer so großartig aus, wenn man eine Riesenernte zeigen kann. Aber wie toll ist das, wenn wir auch mit Garten weiterhin abwechslungsreich essen und kochen können – und nicht jeden Tag dasselbe essen müssen, weil so viel Ernte anfällt.
Kauft man Jungpflanzen ein, dann sind in den Schalen oft sechs bis neun Kohl- oder Salatpflänzchen. Ich muss mir dringend angewöhnen, dann entweder die kräftigsten Pflanzen auszuwählen und den Rest einfach wegzusnacken. Oder den Kauf mit der Nachbarschaft zu teilen. Andernfalls werden zu viele Pflanzen zur selben Zeit reif. Vieles ziehe ich selbst vor. Da entsteht ein ähnliches Problem, weil ich immer ein paar mehr vorziehe, als am Ende ins Beet oder in die Ernteplanung passen.
In Köln haben wir ein sehr mildes Klima. Grundsätzlich kann man also durchaus schon recht früh im Jahr mit dem Gemüsegärtnern beginnen. Da wir aber auch einen oft scharfen Wind von Westen haben und die Trockenheit im Frühjahr ein dauerhafter Zustand zu werden scheint, werden wir wohl ein Frühbeet bauen. Der Wind trocknet den Boden ruckzuck aus, wenn er zu Beginn des Jahres ohne viele Widerstände durch den Garten pfeift. Ich habe zwar Flechtzäune als Windbrecher quer zum vorherrschenden Westwind gebaut, aber das hilft nur bedingt. Pflanzen brauchen zum Keimen stete Feuchtigkeit, junge Pflanzen für das Wurzelwachstum ebenfalls.
Eine automatisierte Bewässerung sehe ich bei uns nicht. Allein die Schläuche überall herumliegen zu sehen, nee, wirklich nicht. Das wird auch anders gehen. So sehe ich das zu diesem Zeitpunkt. Mal abwarten, wie das in drei Jahren sein wird. Vermutlich werden wir alle unseren Umgang mit Wasser verändern müssen. Und, so habe ich es zumindest in einschlägigen Dokumentationen erfahren, eine Tröpfchen-Bewässerung spart Wasser. Wir werden sehen.
Während also 2025 durch die Trockenheit bei sich leerenden Wasserspeichern und noch weit entferntem Wassermarschs die angestrebte Vorkultur nicht so wurde wie geplant, erlebten wir mit, welche Strategien die Natur auf Lager hat. Der Boden war also hart und trocken. Was bedeutete, dass etwa die Regenwürmer für die losbrütenden Vögel zu tief in der Erde saßen. In der Zeit entdeckten wir enorm viele Blattläuse im Garten – Proteinsnacks für Meise & Co., die kamen wir gerufen. Nach zwei, drei Wochen stellten sich die ersten Marienkäfer ein. Schließlich waren sie einfach überall, in allen möglichen Entwicklungsstadien. Dazwischen die Ameisen, die hektisch „ihre“ Blattläuse verteidigten. Vielleicht war das alles Zufall, aber ich hatte den Eindruck, dass die Natur uns hier einen Einblick in ihre Nothilfe-Strategien gewährte. Es geht immer darum, einen Ausgleich zu schaffen und im Ökosystem Balance herzustellen.
Ist für alle gesorgt, ist für alle gesorgt. Und die Vielfalt überlebt.
Die Puffbohnen indes fanden die Gesamtsituation schwierig und trotz dramatisch schöner Blüte blieb die Ernte klein. Das probieren wir in diesem Jahr aufs Neue. Die Erbsen gediehen prächtig, ebenso die Salate, der Knoblauch, die Kräuter und die Radieschen. Wir konnten früh im Jahr frisches Grün verspeisen. Dass wir immer mehr Wildkräuter (wieder-)entdecken, die köstlich schmecken, ist eine sehr willkommene kulinarische Bereicherung.
Und dann fing die Gemüsegartensaison im Laufe des Monats Mai erst richtig an. Schon Anfang Mai hatte ich zwei vorgezogene Wildtomaten-Sorten ins Rahmenbeet gepflanzt. Frost war nicht in Sicht und die Wildtomaten gelten ohnehin als robust. Das funktionierte auch sehr gut. Die anderen Tomaten wanderten dann Mitte Mai in die Beete. Für die Fleisch- und Ananastomaten wie auch die Ochsenherzen brauchen wir allerdings ein Dach und etwas mehr Sonne und Schutz. Sie trugen sehr gut, aber es reiften nur wenige Tomaten aus. Von denen wiederum wurden dann auch einige angekaut. Umso erfreulicher war die Erfahrung mit den robusten, wenn auch kleinfrüchtigen Sorten wie Bianca, Sunviva und den Wildtomaten.
Wir haben irrwitzig viele Tomaten geerntet und insbesondere von den im Ofen halbgetrockneten und in Öl eingelegten Tomaten bis zum Oktober gegessen.
Die Bohnen reagierten auf die kühlen Nächte im Mai regelrecht verschnupft. Bohnen möchten warmen Boden. Barfußwarm soll er sein, dann fühlen sie sich wohl. Deshalb wuchsen sie erst spät heran. Ich habe Ende Juli nochmal nachgesät, was eine gute Idee war. In diesem Jahr wird es auf jeden Fall (noch) mehr Bohnen geben – wenn der Boden dann warm genug ist. Das war eine wichtige Erkenntnis. Warm möchte es auch die Zucchini haben. Die wollte 2025 nicht wirklich. Trotz drei Pflanzen blieb die Ernte verblüffend übersichtlich.
Die meisten Erdbeeren hat übrigens wieder der Gartenschläfer weggefuttert, auch wenn ich die Erdbeerpflanzen im Garten verteilt habe in der Hoffnung, dass er sie nicht alle findet. Aber es gibt auch noch andere, die gern mal einen Happs Erdbeere naschen. Für uns gab es aber im Gegenzug die eigentlich noch viel köstlicheren Walderdbeeren. Die trugen richtig gut, mmmh!
Butterkohl, bunter Blattkohl, Grünkohl, Mais, Bete, Spinat, Blumenkohl – es gibt einiges an Gemüse, das ich in diesem Jahr nicht mehr pflanzen möchte. Kohl nimmt immer viel Platz in den Beeten ein. Butterkohl war ein schönes Experiment. Aber wie den bunten Blattkohl tue ich mich schwer, sie zu essen, weil schön. Und der Ewige Kohl hat sich dermaßen gut entwickelt, dass ich eher dort etwas ernten werde, wenn ich kleine Mengen Blattkohl benötige. Grünkohl bekomme ich in sehr guter Qualität und in mehreren Ausführungen beim Biohof, ebenso Knollensellerie, Bete, Spinat, Blumenkohl, Rosenkohl. Schwarzkohl werde ich vorziehen, weil ich den einfach zu sehr liebe. Da probiere ich lieber einige Gemüsesorten aus, die es bei uns nicht zu kaufen gibt, etwa Puntarelle, Haferwurzel und Tatsoi.
Kartoffeln wird es auf jeden Fall wieder geben. Es geht dann doch kaum was über die eigenen.
Ach, es macht einfach Spaß, das Saatgut zu sortieren, die Saatgutkataloge von Dreschflegel, Hof Jeebel und Bingenheimer zu wälzen, demnächst das Angebot auf dem Saatgutfestival zu sichten und mir zu überlegen, was in Bad Kleingarten wachsen und letztlich in der Heimbürokantine auf dem Teller landen soll.
Fehlen dürfen in der Planung auch nicht Blumen. Wichtige Helfer beim Anlocken der bestäubenden Insekten und mindestens ebenso wichtig bei der Abwehr von unerwünschteren Gesellen. Erstaunlich fand ich die Wirkung der Tagetes. Diese setzte ich in die Nähe der Salate in das Beet, das von Drahtwürmern heimgesucht wurde. Drahtwürmer bohren in trockenen Zeiten die Wurzeln der Salatpflanzen an, um dort die Feuchtigkeit rauszusaugen. Und schon liegen die Salate welk und tot im Beet. Tagetes solle helfen, auch Ringelblumen, las ich. Und es funktionierte.
Ringelblumen, Borretsch, Kapuzinerkresse und Kamille versamen sich mittlerweile in unserem Garten sehr gut selbst. Auch um die rote Gartenmelde, die für uns eine hervorragender Spinatersatz ist, muss ich mich nicht mehr kümmern. Manches muss ich nur noch reduzieren oder umsetzen. Ein gutes Gefühl.
Unsere bleibende Aufgabe: Bodenverbesserung. Wir haben den Garten so sehr umgewälzt, verschiedene Erden eingebracht, den Sand vom Abpflastern verteilt – das Bodenleben hat sich zwar wahnsinnig gut entwickelt, auch durch Kompost, Mulchen und Flächenkompostierung. Aber es braucht seine Zeit und ich notiere mir: öfter lockern. Sanft, damit ebenjenes Bodenleben nicht verstört wird. Und dann rechtzeitig Hahnenfüße und Ackerwinden ziehen. (Ich höre sie lachen!)
Herr Hoffmann richtete 2025 eine weitere Wasserstelle gleich beim Gemüsegarten ein. Anlass war ein Missgeschick, Ergebnis war eine große Erleichterung. Dort erweiterten wir mit Rahmenbeeten unsere Gemüsegartenfläche nochmal deutlich.
Zwischen Park und Autobahn
Unser Kleingarten ist nicht denkbar ohne die Gärten drumherum, aber auch nicht ohne den Blücherpark und das urbane Umfeld. Ich mag an unserer Kleingartenanlage, dass die Gärten über die Zäune hinweg zumindest in unserem Viertel ineinander fließen. Die Zäune sind niedrig. Wir gärtnern nicht alle nach gleichen Prinzipien, aber in freundlichem Nebeneinander.
Die stärkste Abgrenzung findet durch eine Hecke zum öffentlichen Weg statt. Es gibt keine Tore, die das Betreten der Kleingartenanlage erschweren, sondern es spazieren Passant*innen vorbei, Menschen joggen oder lüften ihre Hunde oder queren auf dem Weg zum Park oder zur Kahnstation, wo in den Sommermonaten einer der schönsten kleinen Biergärten von Köln ist. Also, nicht falsch verstehen: zu den Gärten gibt es durchaus Tore. Aber eben keine Tore, vor denen man sich unweigerlich fragt, ob man als Nicht-Kleingärtner*in überhaupt willkommen ist. Ich selbst habe durch Bad Kleingarten erst begriffen, dass Kleingärten Teil des öffentlichen, städtischen Grüns sind, von Stadt und Land subventioniert und allen Bürger*innen zur Erholung dienen: denen, die gern im Garten schuften, und denen, die anderen gern dabei zusehen.
Durch Schilder an unserem Tor, die auf unsere Auszeichnung als Vielfaltsgarten und auf unseren Gartenschläfer hinweisen, ergeben sich oft Gespräche über den Gartenzaun hinweg, was ich sehr schön finde. Das Interesse ist da, das Erstaunen über naturnahes Gärtnern und die artenreiche Stadtnatur groß.
Nicht nur genießen wir den weiten Blick über die Gärten, der durch die hohen Bäume im Park begrenzt wird. Wir profitieren auch von den Tieren und Pflanzen im Park. Der Fuchs kommt regelmäßig bei uns vorbei und fängt sich Mäuse und sicher auch Ratten. Bussard, Habicht, Sperber und Falke kreisen über den Kleingärten. In Bäumen und Sträuchern finden die Vögel Schutz und Nahrung. Nicht alles ist Gold: Während wir uns bemühen, den invasiven Kirschlorbeer zu reduzieren, wuchert er im Park – wo er vermutlich wächst, weil er ehemals aus den Kleingärten ausgebüxt ist. Aber es wachsen auch viele wertvolle Pflanzen wie Brennnesseln (Raupenfutter!) oder Holunder. Mitten durch die Kleingartenanlage wurde in den autofixierten 1960erm eine Straße zur Autobahn ausgebaut.
Das Unschöne hat aber auch gute Begleiterscheinungen: Brombeerdickicht und dichten Sträuchern an den Rändern bieten Lebensraum für Vögel, Kleinsäuger und Insekten. In Städten ist die Artenvielfalt nicht ohne Grund inzwischen größer als im ländlichen Raum, wo „ordentliche“ Gärten, Mähroboter und eine intensive Landwirtschaft mit Pestiziden und Monokulturen das Leben zum Schweigen bringen.
Es gibt unerfreuliche Begleiterscheinungen, natürlich: Wenn im Park sommers das Kampfgrillen beginnt, landen die Grillreste oft in den öffentlichen Abfalleimern. Wo sie von Tieren wieder rausgeholt und großflächig verteilt werden. Es scheint unmöglich, zwar Taschen voller Dinge in einen Park mitzubringen, aber nichts davon wieder mit nach Hause zu nehmen. Menschen, ey. Manches landet ohnehin dann einfach im Gebüsch. Irgendwer wird schon, man zahl ja Steuern, also. Für Ratten etwa ist all das ein wahrhaft gefundenes Fressen.
Wir füttern daher keine Vögel mehr – direkt. Indirekt durchaus, indem wir entsprechend nützliche Wildstauden, Beerenobst und Wildrosen anbauen, wilde Ecken haben und Insekten etwa durch Totholz, Steinhaufen oder hohe Gräser fördern. So gibt es Nahrung übers Jahr hinweg für die Tiere im Garten. Der Gedanke ist, ein ökologisch sinnvolles Miteinander zu ermöglichen. Wir hatten 2025 übrigens kaum Probleme mit Schnecken …
Alles Gedanken zum Garten, unseren Erkenntnissen und seiner Entwicklung. Es bleibt aufregend. Und bevor das hier ein Buch wird, wende ich mich noch kurz unseren Plänen für 2026 zu: die Laube endlich fertigstellen, den Gemüsegarten um ein Beet und zwei Hochbeete erweitern, mit der Saatgutmischung von der Loki-Schmidt-Stiftung ein Ackerpflanzenbeet mit der Blume des Jahres anlegen, einen Bohnenbogen aus Grünschnitt bauen, die Wege genauer herausarbeiten, eine Außenspüle bauen, ein letztes Stück Terrasse abpflastern, ein Kräuterbeet mit den Steinen bauen – ach, dabei belasse ich es jetzt mal, ne?
Gesundheitlich war 2025 für mich ein schwieriges Jahr. Im Januar eine heftige OP und dann wurde es erst recht anstrengend. Meine Frau Mutter starb. Ich finde, 2026 darf nun mal etwas leichter und erfreulicher werden. Insbesondere im Ausgleich zur niederschmetternden Weltlage. Im Garten immerhin dürfen wir wirksam sein und spüren, dass man Dinge auch zum Besseren verändern kann. Allmählich steigt daher die Lust aufs Loslegen. Wenngleich es im Grunde wirklich gut ist, dass es in diesem Jahr mal länger winterkalt ist. Auch für uns. Frierende Gartenfüße lassen sich leichter stillhalten als warme.
Hier noch ein Schwung Bilder aus dem letzten Jahr.
