Ich trete vor die Tür.
Ich ziehe den Reißverschluss der Jacke bis oben hin zu. Der November ist da und stellt dem Herbstgold sein Grau an die Seite. In diesem Monat hüte ich ein zweites Mal nach März 2023 die Straßen aus Zucker, drüben bei Instagram. Mich packte auch nochmal die Lust, nachdem Anke (Kulturtussi) und Ute (Frau Vogel) auch ein weiteres Mal aus ihrer Umgebung berichteten. Ute hat ihre tollen Recherchen zur Wilhelmstraße in Nippes vorbildlich verbloggt. Mein Monat in der Weißenburgstraße wird nach Ablauf meiner Hütezeit ebenfalls im Blog landen.
November, ne.
Irritiert blättere ich den Kalender um. Hurtigen Schenkels eilt das Jahr seinem natürlichen Ende zu. Ich spüre immer noch die abklingenden Wellen meiner Erkältung, weshalb ich auch am Wochenende deutlich weniger im Garten war, als ich mir das gewünscht habe. In Bad Kleingarten steht doch noch einiges an: Knoblauch, Zwiebeln und Blumenzwiebeln stecken, Beete vom Gras befreien, Hahnenfüße reduzieren, zwei neue Hügelbeete für den Winter vorbereiten – und vielleicht werden wir doch einen kleinen Teich installieren. Nach dem Hantieren mit den Wasserstellen in diesem trockenen, heißen Sommer scheint mir eine Wasserstelle, die durch Pflanzen selbstreinigend ist, recht sinnvoll.
Es sind inzwischen so viele Tiere in unserem Garten unterwegs, dass auch dauerhaft Wasser verfügbar sein sollte. Selbst wenn ringsum Teiche in den Nachbargärten sind. Ein Glück, dass der Frost in unserem milden Rheinland noch auf sich warten lassen wird.
Aber es gibt auch immer noch was zu ernten, weshalb ich nicht mit leeren Taschen nach Hause fuhr.
Den Schwarzkohl gab’s dann auch prompt in einer Minestrone.
Seitdem wir selbst Gemüse und Kräuter anbauen, schaue ich in der Heimbürokantine nochmal anders aufs Kochen. Ich habe schon vorher versucht, weitestgehend saisonal zu kochen. Und zwar saisonales Gemüse aus der Region und in Bio-Qualität. Das ist kein verrückter Spleen, sondern eine der wenigen Möglichkeiten, mit etwas, das ich sowieso einkaufen muss, Einfluss zu nehmen: mein Geld bleibt in der Region und landet bei Betrieben, die mit ihrer Arbeit was für die Böden und Biodiversität tun.
Biologische Landwirtschaft und insbesondere Kreislaufwirtschaft setzt nicht nur auf wenige Kulturen und viele experimentieren gerade mit Agroforst und vermehrt Mischkultur, um ressourcenschonend Lebensmittel zu erzeugen. Und ich kann hinfahren und mich vor Ort davon überzeugen. Ich bin auch sehr begeistert von der Bewegung der Solidarischen Landwirtschaft und kann nur hoffen, dass viele Menschen bei den Solawis mitmachen. Das Geld versickert nicht in irgendwelchen Lieferketten und macht wundersamerweise zugleich die Erzeuger ärmer und die Konzernchefs reicher, sondern landet genau dort, wo produziert wird.
Bei vielen anderen Produkten finde ich es weitaus schwieriger, mit meinem Einkaufsverhalten vergleichbar Einfluss zu nehmen, etwa bei Kleidung.
Aber zurück in die Küche: In der Heimbürokantine macht es besonders viel Freude, selbst erzeugte Gemüse und Kräuter zu verwenden. Den Rest gibt’s vom Biohof auf dem Markt. Ein Gericht wie Minestrone erzählt mir nun ganz anderen Geschichten, in denen sich mit Tomaten, Möhren, Staudensellerie, Lauch, Zwiebeln, Knoblauch, Hülsenfrüchten, Kohl und Petersilie Sommer, Herbst und der nahende Winter treffen. Ich denke darüber nach, unter welchen Bedingungen diese Gemüsesuppen entstanden sind und dass es ein wenig skurril ist, diese Gerichte nach Rezepten zu kochen. Sie waren ursprünglich vielleicht eine Art Resteverwertung, für die man nahm, was gerade da war, ob konserviert oder frisch geerntet.
Ein Essen, das viele satt macht. Eine nährende Suppe, die wärmt und mit jedem Tag, an dem sie wieder aufgewärmt wird, noch besser wird.
Hier gibt’s heute den Rest.






