Ich war lange nicht erkältungskrank*.
Nun hatte ich mir einen viralen Infekt eingefangen, eine Rachenentzündung, die mich ermatten ließ. Ich bin ein mir bis dato unbekannter Ausbund von Vernunft, bleibe im Warmen, trinke Tee, habe die Wärmflasche allzeit bei Fuß und ruhe ausgiebig. Diesmal wird nichts verschleppt bis zum monatelangen Mörderhusten. Und wenn man den Körper lässt, bekommt er es auch hin: Ich fühle mich gerade in Halbtagesschritten besser. Sagenhaft!
*An dieser Stelle musste ich lachen bei der Erinnerung an den Witz, den Herr Hoffmann gemacht hatte, als meine sechswöchige Diabetes-Schulung im Sommer war. Daran nahmen nämlich deutlich weniger Leute teil, als sich angemeldet hatten. Zwei sagten wegen Krankheit ab. „Ja, sag‘ doch auch, dass du krank bist. Du hast Diabetes!“, meinte Herr Hoffmann. Das finde ich immer noch lustig. Fällt vermutlich in die Kategorie Galgenhumor. Aber als nunmehr chronisch Kranke ist es auch seltsam, jetzt zu sagen: Ich bin krank. Klar bist du krank, Wibke. Äh. Anders krank. Werde ich jetzt wieder gesund? Naja, anders gesund, ne.
(K)Ein Gang ins Heimbüro
Am Morgen prüfte ich mit einem Spaziergang durchs Agnesviertel die Lage. Frischluft fördert die Genesung, stabilisiert den Blutzucker und danach war ich allerdings auch erledigt genug, um nicht mit meiner Vernunft zu hadern. Nochmals gab es einen Ausreißer mit ungewöhnlich hohen Temperaturen. Nun verspricht man uns Novemberwetter. Bitte sehr. Im November hüte ich übrigens nochmal den Account Straßen aus Zucker (Instagram). Auch das war ein Grund für mich, heute im Agnesviertel ein paar Ecken abzuwandern. Noch bin ich etwas unschlüssig, welche Straße ich mir vorknöpfe. Ich habe ziemlich viel abgeknipst.
In Schwarz gekleidet, langsam durch die Straßen gehend und ein Mobilgerät in der Hand: ich wurde zwei Mal angesprochen, ob ich hier die Strafzettel schreibe und man wollte mir erklären, warum man selbst zwar falsch parkt, aber das ja zu entschuldigen sei. Aha. Mir fiel selbstverständlich nichts Schlagfertiges ein.
Ich freue mich auf das Projekt, weil ich nochmal genauer in mein Viertel hineinsehen werde. Andernorts ist man doch eher mit dem touristischen Blick voller Neugier und Aufgeschlossenheit unterwegs. Die vertraute Umgebung dient oft nur den alltäglichen Wegen. Nun ja, wobei mein Gang ins Heimbüro doch auch schon abweicht.
Resteküche in der Heimbürokantine
Der Tag blieb dann recht unspektakulär mit einigen beruflichen Handgriffen im Heimbüro und unterstützenden Tätigkeiten zur Genesung, die im Wesentlichen aus Tee kochen und Wasser wärmen für besagte Wärmflasche bestand. Mittags gab’s Reste in der Heimbürokantine: Nudeln von Vorgestern, gebraten mit Blumenkohl, kräftig gewürzt mit Sojasoße und Pul biber. Vorab ein Salat aus Zuckerhut mit Zitrone und Apfel. Alles sehr gut. Und ich bin entzückt, wie gut das mittlerweile mit der Feinabstimmung von Pasta und Insulin funktioniert. Vorgekochte Pasta indes besser, weil darin beim Abkühlen resistente Stärke entsteht, die nicht so flott ins Blut geht. Pasta ist ansonsten tückisch in der Kalkulation, weil sie vom Körper in Schüben verarbeitet wird.
An dieser Stelle halte ich fest, dass das Thema Diabetes Typ 1 nun schlicht immer mit reinspielen wird, nicht nur als Spezialthema. Was schlicht daran liegt, dass ich ihn immer und ohne Pause mitdenken muss. Nicht nur beim Essen, sondern auch bei jeder Bewegung oder auch bei einer schnöden Erkältung. Da der Körper krankheitsbedingt Stresshormone ausschüttet, ist Insulin weniger wirksam und ich benötige mehr davon. Zusätzlich wegen weniger Bewegung.
Wobei es heute durch den Gang durchs Agnesviertel deutlich mehr Schritte sind als etwa vorgestern, als ich platt wie eine Flunder ohne Nutzen herumlag und lediglich 1199 Schritte zu verzeichnen hatte. Heute sind es immerhin schon 4137 Schritte und ich muss nachher noch in die Apotheke, frische Nadel für meinen Insulin-Pen abholen.
Seit Tagen räume ich einen Rotkohl vom Italienischen Kühlschrank aka Feuerschutzbalkon nach drinnen und wieder nach draußen. Nachdem ich auf der Frankfurter Buchmesse ausgesprochen guten fermentierten Rotkohl gekostet habe, will ich den nun selbst ansetzen. Nachher, ganz bestimmt. Immerhin ist gerade Herr Hoffmann von der Arbeit nach Hause gekommen und widmet sich dem Brotbacken. Gesellschaft motiviert. Ein Teig geht schon.
Freude am Färd
Was ich nicht erwartet habe: Ich vermisse meine täglichen Einheiten auf dem neuen gebrauchten Heimtrainer, der vor nun fast vier Wochen hier eingezogen ist. Nein, keiner im grässlichen Sanitärhausgrau, sondern ein klappbares, schwarzes Drinnenrad. Ich nenne es Färd. Für uns Beide hier eine Ertüchtigungshilfe in der dunklen und nassen Jahreszeit, in der man nicht so oft mit dem Rad draußen herumfährt. Für mich zusätzlich und insbesondere deshalb nützlich, weil ich mithilfe von Bewegung weniger Insulin benötige und meinen Blutzucker stabilisieren kann.
Wobei der Einsatz für Ausdauersport wiederum anspruchsvoll für die Kalkulation von Insulin und Kohlenhydrate ist. Ich landete in den ersten Tagen prompt im Unterzucker. Ich lerne. Das wird mir auch bei künftigen Radtouren und Wanderungen zugute kommen. Ohnehin verspüre ich ein Jahr nach Beginn der Insulintherapie wieder viel Lust an der Bewegung und habe mir seit einer Weile auch ein kleines Kraftsportprogramm zurechtgelegt. Schon alles erfreulich und erstaunlich.
Guten Morgen, schönes Wetter heute!
Nebenbei lese ich gerade die Bücher in Ruhe zu Ende, die ich vor meiner Moderation unserer Preisverleihung zum Lieblingsbuch der unabhängigen Buchhandlungen allzu rasch an- oder durchlesen musste. Es ist eine so erfreuliche Shortlist. Ich mag einfach jedes einzelne der Bücher. Am Samstag beginnt die Woche unabhängiger Buchhandlungen und in Köln startet der erste Bookstore Crawl. Ich habe große Lust, die teilnehmenden Kölner Buchhandlungen mit dem Rad abzufahren.
Love your darlings. Alle!
Es gibt wieder eine Blogroll.
Kürzlich gab es in München eine Bloglesung, organisiert von Frau Klugscheißer. Ich stellte durch die vielen Beiträge bei Mastodon fest, wie vielen Tagebuchblogger*innen ich (wieder) folge. Offenbar hat sich ein nicht unwesentlicher Teil der deutschsprachigen Blogwelt dort zusammengefunden. Manche sind nach dem Niedergang von Twitter in Bluesky gelandet oder haben das Bloggen eingestellt. Mich hat die Euphorie, die vor und nach dem gesellschaftlichen Ereignis in München rüberschwappte, durchaus angesteckt. Und so habe ich endlich wieder eine Blogroll installiert. Und als nächstes reaktiviere ich mein Feedly, um öfter in diesen Blogs zu lesen. Mein digitales Dorf soll wieder schöner werden.
An dieser Stelle lasse ich eine Empfehlung für den Nachrichtentisch da, an dem man sich unkompliziert einen nüchternen Überblick über die Lage in der deutschsprachigen Medienwelt machen kann. Sehr nützlich.
















Oh, juhuu, ich freue mich auf deine Zuckerstraße!