Neulich spazierten wir in die Kölner Flora.
Der Botanische Garten ist von uns aus ein Katzensprung und neben dem Garten eine gute Möglichkeit, sich ins städtische Grün zu werfen. Hier schaue ich mir gern Pflanzen an, die ich niemals im Ökosystem Naturkleingarten ansiedeln würde. Aber ich bestaune gern die unfassbare Vielfalt der Formen, die Flora annehmen kann. Ich besuche auch gern die Ameisenbären und Okapis im Zoo, aber ich bin mir sicher, dass sie in unseren Wäldern keinen guten Platz in dem doch recht sensiblen Mit- und Voneinander hätten.
Seit einer Weile sind nun die neuen Schaugewächshäuser eröffnet, in denen es tropische Nutzpflanzen, Urwaldpflanzen sowie Pflanzen aus Wüstengebieten und den Subtropen zu bestaunen gibt. Das nun ausgerechnet an einem etwas usseligen Novembersonntag zu wollen, war eine etwas naive Idee. Es war voller als an einem Samstagnachmittag auf der Ehrenstraße. Wir flutschten ohnehin auch noch auf den letzten Drücker rein. Denn in den Wintermonaten schließen die Gewächshäuser bereits um 16 Uhr. Ein paar Blicke erhaschen ging aber noch. Da gehen wir mal anderntags mit mehr Ruhe rein, so viel ist sicher. Gefiel mir alles sehr.
Weniger gefiel mir die Frau, die vor den Gewächshäusern auf einer Bank saß und in ihr Telefon starrte. Neben ihr gestaltete ihr Kleinkind mit großer Entschlossenheit eins der neu angelegten Beete um. Darauf angesprochen, reagierte sie verblüffend gleichgültig. Sie glaube nicht, dass ihr Kind da etwas zerstöre. Da wachse ja nichts. Äh, ja, ist neu angelegt. Darin wurzeln gerade Pflanzen und womöglich ist auch etwas eingesät. Aber davon abgesehen: Überall stehen Schilder, auf denen die Bitte, doch auf den Wegen zu bleiben, deutlich ausgedrückt ist.
Ein paar Momente später sah ich eine vierköpfige Familie über die Wiesen trampeln, um im bunten Laub Selfies zu machen. Ey, Leute, was ist los mit euch? Mal etwas mehr Respekt wäre schön und mal etwas mehr Interesse für Kultur und Natur, als sie nur als Kulisse für den WhatsApp-Status zu verstehen.
Strohblumen, Stinkepitterche und Sterndolde
Zur Beruhigung gingen wir noch in den kleinen Bauerngarten, wo die kölschen Bezeichnungen für Gemüse, Kräuter und Blumen immer wieder entzücken. Der Garten wie auch die Staudenbeete oder das großartige Loki-Schmidt-Beet sind auch gute Beispiele, wie man das Grün auf den Winter vorbereitet: man lässt alles mögliche stehen, damit die tierischen Bewohner*innen Nahrung und Schutz finden.
Nicht nur gucken, sondern auch anfassen!
Zufrieden inspiriert freue ich mich dann umso mehr auf unser Bad Kleingarten. Wo wir dann auch Hand anlegen können. Inzwischen sind die Blumenzwiebeln eingetroffen. 345. Und in diesem Jahr kommen sie früher (und tiefer) in die Erde. Im letzten Jahr lag die Bestellung noch eine ganze Weile, weil ich durch den noch frisch manifestierten Diabetes nicht recht nachkam oder vielmehr unsicher war, was körperliche Anstrengungen in Kombination mit Insulin war. (In diesem Monat ist übrigens Weltdiabetestag.) Das hatte insbesondere den Krokuszwiebeln nicht ganz so gut getan, war mein Eindruck.
Ich hatte von Februar bis April gezielt Fotos gemacht, um mir jetzt ein besseres Bild machen zu können, was wo blühte – und wo nichts oder zu wenig blühte. Gerade im Frühling hungert das Auge doch mindestens so sehr nach Frühblühern wie die ersten Hummelköniginnen und anderen frühen Insekten. Es gibt auch noch Wildstauden, die ich zu diesem Behufe pflanzen möchte, etwa Echtes Lungenkraut, Hohler Lerchensporn und Großes Windröschen.
Ach, nun wo, der Garten gerade noch so schön bunt ist, was aber spätestens mit dem ersten Frost vorbei sein wird, freue ich mich schon darauf, wenn es im Frühling wieder losgeht. Aber alle Jahreszeiten haben ihre eigene Schönheit. Ich möchte keine davon missen (und ich versuche, mich im Januar und Februar daran zu erinnern, wenn das Gemüt so grau wie der rheinische Himmel sein wird.)
In der Heimbürokantine gibt’s derweil viel Zuckerhut und Schwarzkohl.
Letzteren ja sogar zumeist aus Bad Kleingarten. Ebenso wie der Hirschhornwegerich, der sich emsig versamt hat. Über Monate hinweg lässt sich von ihm ernten – wenn man ihn findet. Ich habe aber nun ein paar Stellen identifiziert, wo er sich in Rudeln angesiedelt hat. Es ist nun mal so, dass Pflanzen am besten an Plätzen gedeihen, die sie sich selbst gewählt haben.





















