Der vertraute Alltag hat sich längst wieder auf unser Leben gelegt. Schon werden manche Eindrücke und Erlebnisse flüchtig, zusätzlich verdrängt von den aktuellen entsetzlichen Nachrichten, wohin man auch sieht. Und weil ich diesmal kaum Reisenotizen gemacht habe AUS GRÜNDEN, weiche ich von der liebgewonnenen Angewohnheit ab, erst Monate, wenn nicht Jahre später von der Reise zu erzählen. Ich brauche das jetzt. Achtung, es wird ausufern, in Text und Bild. In erster Linie schreibe ich das hier für mich auf und in meinem Blog gibt’s kein Zeichenlimit.
Die Reise fand – wie kürzlich berichtet – unter anderen Vorzeichen statt, die erste seit meiner Diabetes-Diagnose. Das Bedürfnis nach einer Pause, einem Wegsein von allem war noch größer als in früheren Zeiten. Nun, ich habe jetzt begriffen, dass es ein Zurück ins Gewohnte auch im Urlaub selbstverständlich nicht gibt.
Nachdem wir 2023 zuletzt in Frankreich waren, stand fest: Wir wollen in diesem Jahr wieder in unser Lieblingsreiseland.
Frankreich, ja, doch wohin genau?
Da wir mit Rädern und Zelt verreisen wollten, sollte das Ziel gut und unkompliziert mit der Bahn erreichbar sein. Falls etwas mit meinem Diabetes schiefgehen sollte oder ein nicht unwahrscheinlicher Notfall in der Familie eintritt, sollten wir auch ungeplant zügig nach Hause reisen können. Ich liebäugelte erneut mit dem so sehr gemochten Burgund, mit dem wir noch lange nicht durch sind. Oder vielleicht etwas länger in die Normandie, gar in die Bretagne? Doch dann rauschte eine Pressemitteilung rein, die eine Entscheidung vereinfachte: In diesem Sommer gibt es eine Direktverbindung mit dem ICE von Köln nach Ostende. Zack, kurz besprochen, zum Europa-Sparpreis von rund 155 EUR für zwei Menschen mit Plätzen für die Räder gebucht. Toll.
Unterwegs wollten wir vornehmlich auf dem EuroVelo 4 sein, der Vélomaritime, auf der wir vor einer Weile schon in der Normandie ein Stückchen gefahren sind.
Mitte Juni, zufällig genau an unserem Hochzeitstag, besteigen wir also mit unseren gepackten Abenteuerfahrrädern die Bahn. In dreieinhalb entspannten Stunden lassen wir uns über Lüttich, Gent und Brügge an die See bringen. Der ICE ist überraschend leer. Für das Zugpersonal ist es die erste Fahrt auf der neuen Strecke. Neben uns ein junges Paar auf seiner ersten Radreise. Alle sind freudig-aufgekratzt. Das verleiht unserer Reise zusätzlich Glitzer. Unsere kritischen Anmerkungen zu den kurios engen, umständlich zu bedienenden Fahrradstellplätzen im neuesten ICE-Modell werden nicht achtlos weggenickt, sondern ernstgenommen und notiert.
Als die Zugbegleiterin sagt, dass sie es doch lieber vermeidet, ihr Fahrrad in der Bahn mitzunehmen, finde ich das schon bemerkenswert. Die Gründe: die zu engen Fahrradstellplätze, die für manche Räder zu engen Aufhängungen (bei uns scheitert’s am Lenker der Gravelbikes, bei ihr an den dicken Reifen des E-Bikes), Reservierungen zerplatzen bei abgesagten Verbindungen, das Hineinwuchten von Rad und Gepäck über mehrere Stufen durch enge Zugtüren, kurzfristig anberaumte Gleiswechsel, gern in Kombination mit kaputten oder zu kleinen Fahrstühlen am Bahnhof. Hey, Bahn, hört mal euren Mitarbeiter*innen zu! Ich halte die Kombination Rad & Bahn für so unglaublich großartig. Aber man benötigt nach wie vor eine gewisse Resilienz dafür. Und Erfahrung mit dem Bahnfahren an sich. Nicht immer klappt alles so tadellos wie auf dieser Fahrt.
Es gab eine Zeit, da konnte man übrigens sein Rad auch grenzübergreifend zu einem Ort transportieren lassen, selbst entspannt mit dem Personenzug reisen und es am Bahnhof dann abholen. Stelle ich mal in den Raum. Nachtzüge gibt es nun immerhin auch wieder vermehrt.
Nachtrag: Hier gibt es übrigens einige gute Tipps für ein möglichst stressfreies Reisen mit Fahrrad und Bahn. Ich würde etwa immer vermeiden, Umstiege im Fernverkehr zu planen. Lieber Direktverbindungen, dann weiter mit dem Rad (und sei es bis zu einem nächsten Bahnhof) oder mit Regionalzügen. Außerhalb des Berufsverkehrs.
An die See!
Es ist doch immer wieder ein magischer Moment, am Wasser zu stehen. Das Meer zu riechen. Möwen jauchzen. Der Wind zauselt einen ordentlich durch. Ostende überrascht mich vollkommen. Einladend, gegenwärtig, kunstvoll, lebendig und farbenfroh. Selbst die mächtigen Betonburgen vergangener Zeiten entwickeln im Licht des Sommers und im Kontrast zu Kunst, Meer und schlendernden Menschen einen ganz eigenen Reiz. Im Vorfeld hatte ich mich nur flüchtig mit der Stadt beschäftigt. Ostende möchte ich mir aber gern bei anderer Gelegenheit in Ruhe ansehen.
An den Dünen entlang geht es Richtung Bray-Dunes, an einen Ort, an dem wir vor nicht wenigen Jahren öfter waren, als gewisse Kinder noch wirklich klein waren. Eine Gelegenheit für ein Wiedersehen, denn den Campingplatz in den Dünen hatten wir in guter Erinnerung. Dort wollen wir erstmal im Urlaub ankommen. Die Fahrt auf dem Weg entlang des Ärmelkanals finde ich unfassbar schön. Auch wenn ich Sand auf dem Radweg hasse, liebe ich Landschaft mit Sand.
Ich fühle mich ganz berauscht. Nach diesem schwierigen Jahr bin ich mit dem Rad unterwegs, das leicht und locker unter mir fährt. Ich fühle, wie lang vermisste Energie durch meinen Körper strömt. Alles, was wir brauchen, ist in unseren Packtaschen. Drei Wochen Zeit liegen vor uns. Die Sonne scheint. Wir nähern uns Frankreich. Uns geht es gut.
Die Einfahrt zum Campingplatz erkennen wir sofort wieder. Wir kommen kurz vor sechs auf den letzten Drücker an. Dass Mitte Juni vielerorts noch richtig Nebensaison ist, verblüfft mich. Das ist in den Niederlanden und Belgien ähnlich wie in Frankreich: So ziemlich alle haben im Juli und August Urlaub und danach richten sich Angebote, die sich in anderen Monaten nicht rentieren. Der wirklich große Campingplatz ist so gut wie menschenleer – und die Gastro geschlossen. Nur eine übelriechende Kaschemme, deren Küche ich wahrlich nicht sehen wollte, ist geöffnet. So werden es am Ende Notnudeln aus den Radtaschen und nicht die erhofften Fritten. Die schöne, stromlose Zeltwiese haben wir für uns allein. Nun, fast: Am anderen Morgen schält sich eine Katze aus dem Gebüsch, die offenbar dort wohnt. Miau!
Die Nacht im Zelt ist empfindlich kalt.
Alle Vorhersagen sprechen schon seit Tagen von einer nahenden Hitzewelle. Entsprechend haben wir gepackt. Brrr. Nun hatten wir schon bei Temperaturen deutlich unter 9 Grad gezeltet, waren aber dann auch entsprechend präpariert. An unserem ersten Tag in Frankreich machen wir also einen Ausflug nach Dünkirchen in den örtlichen Decathlon, um uns langärmelige Merino-Shirts zuzulegen. Der Himmel ist bedeckt, der Wind kühl, die Fahrt ins Gewerbegebiet eher rau.
Im Zentrum von Dünkirchen gibt es aber endlich die guten Fritten. Nordfrankreich und Belgien streiten sich darum, wer die besten Fritten macht. Ich halte es für ein Unentschieden und werde weitertesten müssen. Die bisher beste Frittensauce steht für mich jedoch nun fest: eine Käsesauce mit Maroilles, dem köstlichen Lokalmatador in der Region Nord-Pas de Calais. Das finden offenkundig auch einige Möwen, die sich herzerweichend fiepend vor uns aufstellen und zunehmend energischer werden, als wir hart bleiben.
Ein besonders schöner Weg am Kanal entlang, durch Wiesen, Parks und Wälder, führt uns nach Bergues. Immerhin sind wir nicht nur im Land der Sch’tis, sondern der Drehort von Danny Boons Willkommen bei den Sch’tis ist nahebei. Im herausgeputzten Ort finden wir ein schönes Plätzchen vor einem Café und es gibt Kaffee, Cidre und Crèpes.
Ein Engländer im Schlepptau
In der Nacht schlafen wir dank langer Ärmel deutlich besser und am nächsten Tag geht’s frischen Mutes weiter Richtung Calais. Die Wege an diesem Tag sind im Vergleich zum Vortag etwas reizlos, die Gegend zwischen Dünkirchen und Calais industriell geprägt und ziemlich abgewetzt.
Auf dem Weg durch Dünkirchen gabeln wir an einer Ampel noch einen älteren Radfahrer auf, der den Weg zu seiner Fähre zurück nach England in der komplett falschen Richtung sucht. Mit seinem Rad hatte er einen Ausflug über den Ärmelkanal gemacht. Nun will er nach Hause, aber irgendwas ist mit seiner Brille. Er vermag weder Schilder noch die Angaben auf seinem alten Mobilknochen zu erkennen. Auf einem Zettel hatte er sich das Wichtigste notiert, was sich kaum entziffern ließ. Wie man so schreibt, wenn man gerade nicht viel sieht. Aus den Notizen, seinen sehr englisch ausgesprochenen französischen Ortsnamen und mithilfe digitaler Karten finden wir heraus, das er in unsere Richtung muss. Alles klar, wir nehmen ihn mit. An der Abbiegung zum Fährterminal Dünkirchen in Loon-Plage verabschieden wir ihn. Die Fahrt mit ihm birgt viele ulkige Momente.
Mein Lieblingsmoment ist, als er mitten im Fuchteln und Erzählen an einer Ampel den Zettel mit den Notizen verliert. Ich fische den Zettel vom Straßenrand, kurz bevor er im munteren Wind das Weite sucht. Ich hoffe, er ist gut angekommen. Der Radfahrer. Mit seinem Zettel.
Am Fluss Aa
Wir erreichen Grand-Fort-Philippe, wo der Fluss Aa in die Nordsee fließt. Aa, aha! Mein Hirn schlägt mir sofort eine Szene aus Die Ritter der Kokosnuss vor. Dankeschön. Ich finde es ganz eigenartig, dass es keine Brücke über die Aa gibt, rüber nach Petit-Fort-Philippe. Welche Gründe mag es dafür geben? Die nächste Möglichkeit gab es ein ganzes Stück den Fluss hinauf in Gravelines, ein Ort, der im Reiseführer als hübsche ehemalige Garnisonsstadt angepriesen wurde (im Kontrast übrigens zum benachbarten Kernkraftwerkmonster, einer Erdölraffinerie und zwei mächtigen Rechenzentren), aber auffallend miesepetrig und zugeparkt war.
In Grand-Fort-Philippe schlagen wir auf dem städtischen Campingplatz unser Zelt auf. Der wirklich nette Mitarbeiter stellt sich als mähsüchtig heraus. Mit dem Aufsitzrasenmäher nutzt er jede freie Minute, um den ohnehin schon kurzen Rasen am Wachsen zu hindern. Die saisonalen Posten auf den städtischen Campingplätzen seien stets sehr begehrt, erzählte uns mal ein Mitarbeiter auf unserem Lieblingsplatz im südfranzösischen Villes-sur-Auzon. Hier in Grand-Fort-Philippe erklärt sich umgehend, was diesem Mitarbeiter besonders am Herzen liegt. Aber nicht nur das Mähen: Er freut sich sichtlich über jede Gelegenheit, an den Tourist*innen sein schönes Englisch zu erproben.
Der Ort selbst indes macht einen etwas tristen Eindruck. Nichts zum Einkehren. Kein Getränkeangebot auf dem Campingplatz. Die Radfahrt zum Supermarkt strengt an, weil die Automänner ihr Mütchen kühlen müssen. Doch gleich neben dem Campingplatz ist ein schön angelegter Park in einem Naturschutzgebiet. Darin die gut dokumentierte Erinnerung an die jüngere Vergangenheit: Bunker aus der Zeit der deutschen Besetzung. Ein krasser Kontrast zur artenreichen Natur und dem friedlichen Park drumherum.
Auf dem Campingplatz freue ich mich über Gestaltungselemente wie die Kugellaternen und die Tischtennisplatte, die ich spontan in den 1970ern verorten würde.
Kontraste gibt es in Nordfrankreich reichlich.
Um Calais herum, wo die Küste von England nur 34 Kilometer weit weg ist, gibt es in Waldstücken große Camps von den Menschen, die zwischen den Ritzen der Weltpolitik leben. Geflüchtete aus dem südlicheren Teil der Welt, die eine gewaltige Strecke überwunden und überlebt zu haben, und die nun hoffen, ins vermeintlich Gelobte Land, nach Großbritannien, zu kommen. Während die Einen problemlos Grenzen überqueren können, bleibt Anderen dieser Weg versperrt. Während Orte und Regionen veröden, Häuser und Läden leer stehen, versuchen die Anderen, irgendwie über den Tag zu kommen, Arbeit zu finden, ein Leben in Sicherheit zu finden. Es ist so vieles daran, was mir unbegreiflich ist. Die westliche Gesellschaft steht sich selbst auf den Füßen.
Gedankenvoll und mit müden Herzen reisen wir an diesem Tag durch Calais. Eine Stadt, die mit ihrem imposanten Rathaus, der Street Art und der kühnen Architektur im Hafen interessant wirkt, aber leider untergeht im motorisierten Verkehr. Laut, stinkend und für uns auf den bepackten Rädern so anstrengend wie gefährlich.
Wir finden aber in einem weitläufigen Park einen Rastplatz. Natürlich gibt es Fritten, noch längst haben wir sie nicht über. Im Park finden wir eine eindrucksvolle Skulptur von Churchill und de Gaulle vor, die an die Operation Dynamo im Zweiten Weltkrieg erinnert. Der Künstler ist Patrick Barthaud. Die besondere Verbindung von Charles de Gaulle zu Calais ist an vielen Orten sichtbar. Auch auf dem Platz, an dem wir eine Kaffeepause einlegen, sehen wir eine Skulptur, die ihn zeigt mit Yvonne Vendroux, seiner späteren Ehefrau, die aus der Hafenstadt stammte.
Ins Land der zwei Kaps
Unser Blick richtet sich aufs Hügelland, auf das Terre de 2 caps. Hinter Calais beginnt die Opalküste, wie der Küstenstreifen seit Anfang des 20. Jahrhunderts wegen seiner schimmernden Farben bezeichnet wird. Wir peilen Wissant an. Das Stück zwischen Calais und Wissant ist sicher eins der schönsten auf unserer Reise. Wir erhalten fantastische Blicke auf den Ärmelkanal und aufs hügeliger werdende Land. Ich stelle fest, dass ich trotz fehlender Form und mit Gepäck die Hügel besser hinaufkomme, als ich dachte.
Die zwei Kaps, les Deutx-Caps, die diesen Landstrich prägen, sind das Cap Blanc-Nez und das Cap Gris-Nez. Ziemlich genau dazwischen liegt Wissant, das uns auch wegen des städtischen Campingplatzes von vertrauten Menschen empfohlen wurde. Ein netter, kleiner Ort, an dem wir einige Tage bleiben werden.
Als wir aus den schön geschwungenen Hügeln mit ihren weiten Blicken in Wissant einfahren, bin ich erstmal erschlagen. Die Tagesetappe hatte uns weitestgehend über Wege abseits des motorisierten Verkehrs geführt. Es war immer Gelegenheit, kurz anzuhalten, zu schauen und den Feldlerchen zu lauschen. Durch den Ort jedoch führt eine vielbefahrene Straße, die auch noch hügelan führt. Entnervt von komplett sinnlos drängelnden Autos, der Hitze und dem Anstieg steige ich kurzerhand ab und schiebe ein Stück auf dem Gehweg. Stress rausnehmen.
Und dann geht es nur noch den Hügel hinunter.
Wir stehen vorm Camping Municipal. Ich schwärme so gern insbesondere von den städtischen Campingplätzen in Frankreich, die oft nur in der Saison betrieben werden, der Komfort oft nur darin besteht, dass es eine große Wiese mit Baumbestand und einfache Sanitäranlagen gibt sowie ein spärlich betriebenes Büro für die Anmeldung. Am Meer hingegen treffen wir auf ganzjährig betriebene Campingplätze mit altem und neuen Mobilheimbestand. Da stellt sich dann nicht selten eine piefige Dauercamper-Atmo ein, die wir aus Deutschland hinlänglich kennen: scheußlich zugebaute Plastik-Wohnwagen, Plastikrasen, Plastikdeko, runtergerockte Pflanzen oder die Geranie im Plastiktopf mit Plastik-Gartenzwergen. Wäh!
Der Campingpatz in Wissant springt uns also nicht gleich ins Herz, als wir das zugeteilte Fleckchen zwischen abgerockten Mobilheimen begutachten. Dort also sollen wir unser Zelt aufschlagen. Aber die Stimmung auf dem Platz ist freundlich. Stets ein gutes Zeichen, wenn so ziemlich alle sich gegenseitig grüßen. Unser Zeltplatz stellt sich als ruhig heraus, weil ringsum kaum jemand da ist. Wir haben schöne hohe Bäume mit viel Vogelbesuch im Blick – also auch Schatten. Und nur fünf Minuten zu Fuß bringen uns an den Strand.
Ein Strand, der kunsthistorisch interessant ist: Ab 1880 entdeckten Künstler*innen um das Paar Adrien Demont und Virginie Demont-Breton Wissant und ließen sich von den Blicken auf die Kaps, den Ärmelkanal und die weiß funkelnde englische Kreideküste und vom schimmernden Licht inspiriere. Ein Wanderweg, der Sentier des Peintres, führt an verschiedenen Info-Schildern vorbei, die exemplarisch Bilder aus der Ècole de Wissant zeigen und von den Künstler*innen erzählen. Es wird offenbar, wie die Aufmerksamkeit, die die Schule von Wissant erzeugte, den Ort veränderte. Das Fischerdorf wurde (auch) zum Künstlerdorf, das wiederum interessant wurde für Immobilienmakler. Es floss Geld in die einst arme Gegend.
Kein Bild von den Bunkern
Ebenfalls am Strand sind die Spuren der jüngeren Zeitgeschichte unübersehbar: Bunker. Im Zweiten Weltkrieg war Wissant nach der Besetzung Nordfrankreichs ab Juni 1940 ein Stützpunkt der deutschen Wehrmacht. Hier rechnete Deutschland 1944 auch mit einem Angriff der Alliierten, weil der Seeweg von Großbritannien über den Ärmelkanal an der Straße von Dover mit rund 30 Kilometern am kürzesten ist. Von den Bunkern habe ich nicht ein Foto gemacht, stelle ich fest.
Dass Großbritannien so nah ist, ist auch der Grund, warum es auch in Wissant viele Geflüchtete gibt. Da es hier aber im Unterschied zu den Orten weiter nördlich keinen Fährverkehr gibt, scheint der Grund, in Wissant zu sein, eher woanders zu liegen? Das Miteinander oder vielmehr das meist nicht unfreundliche Aneinandervorbei im Ort bleibt rätselhaft. Im örtlichen Supermarkt ist allerdings die Präsenz der sehr militärisch auftretenden Gendarmerie verstörend. Da wir nicht viele Sätze Französisch sprechen, gab es keine Gelegenheit, mal nachzufragen. Wir sind flüchtige Gäste. Die Eindrucke und Gedanken jedoch bleiben.
Wir kommen auf dem Weg zum Supermarkt übrigens an einer kleinen, schmucken Villa vorbei, die einst Ferienquartier von Charles de Gaulle war. Er nun wieder.
Nachdem wir uns auf dem Campingplatz und im Ort eingerichtet haben und angesichts der nun spürbar anrollenden Hitzewelle einige Tage länger bleiben wollen, erfahren wir leider, dass es nicht geht. Offenbar sucht halb Paris am ersten Hitzewochenende bei vorausgesagten 40+ Grad Zuflucht an der kühleren Küste.
Wir werden weiterziehen müssen.

